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2 Potenzielle Hardware-Nutzungsdauer

Zu welchem Grad sind Hardware-Erneuerungszyklen von Software-Erneuerungszyklen entkoppelt?1

Software stellt Anforderungen an die Hardware, auf der sie ausgeführt wird. Je schneller diese Anforderungen mit der Weiterentwicklung des Softwareprodukts wachsen und je spezifischer sie sind, desto einschränkender wirken sie sich auf den Einsatz bereits vorhandener Hardwareprodukte aus. Können bereits vorhandene Hardwareprodukte nicht (mehr) eingesetzt werden, um das gegebene Softwareprodukt auszuführen, verkürzt dies die Nutzungsdauer der Hardware.

Das angestrebte Ideal ist ein Softwareprodukt, dessen Entwicklungsdynamik dem Betreiber ein davon unabhängiges, entkoppeltes Management seiner Hardwareprodukte erlaubt. 

Garantiert der Hersteller des Softwareprodukts, dass das aktuelle Release auf einem Referenzsystem von vor n Jahren betrieben werden kann?*

Indikatoren:

a) Zunächst Herstelleraussage (Hardware, ältere Betriebssysteme, ältere Frameworks), da für zurückliegende Jahre keine Standardkonfigurationen definiert sind

b) Wenn seit der ersten Anwendung dieses Kriteriums auf das Softwareprodukt ausreichend Zeit verstrichen ist, so dass man das Standardnutzungsszenario auch auf früheren Standardkonfigurationen ausführen kann: Ist das Standardnutzungsszenario mit dem aktuellen Release des Softwareprodukts auf einer Konfiguration ausführbar, die vor einer noch festzulegenden Anzahl von Jahren Standardkonfiguration war?


* Somit kann das Softwareprodukt mit einer üblichen Hardwarekonfiguration betrieben werden, die schon n Jahre in Betrieb ist.

Kann das Softwareprodukt auf verschiedenen aktuell verbreiteten produktiven Systemumgebungen (Hardware und Software) betrieben werden und können die Nutzenden zwischen diesen ohne Nachteil wechseln?*

Indikatoren:

a) Herstellerangaben (kompatibel mit verschiedenen Betriebssystemen, Laufzeitumgebungen)

b) Standardnutzungsszenario auf verschiedenen aktuell verbreiteten produktiven Systemumgebungen ausführen, dabei die Daten- und Softwareeinstellungsportabilität prüfen


* Wir empfehlen, dieses Kriterium nicht zu den Minimalanforderungen zu zählen, da es grundsätzlich sehr ressourcenschonende Software geben kann, die nur auf einer einzigen Plattform läuft. Dennoch ist Plattformunabhängigkeit positiv zu werten, da sie die Freiheitsgrade des Nutzenden bei der Optimierung der Beschaffung Hardware und Systemsoftware vergrößert.

Bleibt die Menge an beanspruchter Hardwarekapazität bei Weiterentwicklung des Softwareprodukts auch bei Funktionserweiterungen über die Zeit konstant?

Dieses Kriterium belohnt Hersteller von Softwareprodukten, die keine über die Zeit wachsenden Anforderungen an die Hardware stellt, wodurch die Hardware nicht aufgerüstet oder erneuert werden muss. Es berücksichtigt bewusst nicht, ob die Funktionalität erweitert wurde. Suffizienz ist so zu verstehen, dass die beanspruchten Ressourcen auch dann nicht zunehmen, wenn man mehr Nutzen aus ihnen zieht (was durch Zunahme der Effizienz möglich ist). 

Das angestrebte Ideal ist ein Softwareprodukt, das von Version zu Version zwar höheren Anforderungen der Nutzenden genügt, aber dennoch keine höheren Anforderungen an die Hardware stellt. 

Dieses Kriterium ist erst anwendbar, wenn Produkte schon mehrfach beurteilt wurden, also mindestens ein zurückliegendes Ergebnis schon vorliegt. 

Indikatoren:

a) Intertemporale Vergleiche mit folgenden Ergebnisstufen:

1. „sehr gut“: Die Versionswechsel haben bisher zu einer Verringerung der benötigten Hardwarekapazitäten geführt.

2. „gut“: Die Versionswechsel haben bisher nicht zu einer Erhöhung der benötigten Hardwarekapazitäten geführt.

3. „genügend“: Die Versionswechsel haben bisher zwar zu einer Erhöhung der benötigten Hardwarekapazitäten geführt, diese blieben jedoch im Rahmen des technisch bedingten Effizienzfortschritts, wie er sich in der zeitlichen Abfolge von Referenzsystemen ausdrückt.

4. „ungenügend“: Die Versionswechsel haben dazu geführt, dass die benötigten Hardwarekapazitäten schneller gewachsen sind als die technische Effizienz entsprechend der Abfolge der Referenzsysteme.


[1] Entkopplung der Software- und Hardware-Erneuerungszyklen bedeutet hohe potenzielle Hardware-Nutzungsdauer. Grundannahme: Jedes Softwareprodukt benötigt eine Systemumgebung als Plattform, auf der es ausgeführt wird. Alle zur Ausführung notwendigen Hard- und Softwarekomponenten des IKT-Systems zählen zu dieser Systemumgebung. Das Softwareprodukt selbst kann Teil der Systemumgebung anderer Softwareprodukte sein. Beispiel: Ein Webbrowser benötigt ein Betriebssystem, weitere Systemsoftware und Hardware als Systemumgebung und bildet zugleich die Systemumgebung für eine Web-Anwendung. Von einem gegebenen Softwareprodukt aus betrachtet interessiert es, welche Ansprüche seine Erneuerung über die verschiedenen Schichten der Systemumgebung an die unterste Schicht – die Hardware – auslöst.