Nutzungsphase

Die Nutzungsphase erklärt Wirkungen, die sich aus der Bereitstellung der Software, deren Nutzung sowie Wartung ergeben. Die Nutzung von Software führt zu mehreren direkten Effekten. Das Ausführen von Programmen benötigt Rechenzeit, um die von dem Programm umgesetzten Dienste ausliefern zu können und induziert dadurch einen entsprechenden Energieverbrauch. In Abhängigkeit von der Art der Software und des durch sie bereitgestellten Dienstes wird außerdem Netzwerkbandbreite und weitere Rechenkapazitäten auf Servern gebunden. Gleiches trifft auf die Größe und Häufigkeit von Updates zu. Die Größe der mit einer Software erstellten Daten beeinflusst die notwendigen Kapazitäten für die Datensicherung.

Neue Softwareprodukte benötigen i. A. aktuelle und leistungsstärkere Hardware als vergleichbare ältere Produkte, was oft zu einem Austausch der vorhandenen Hardware gegen neuere führt. Auf der einen Seite ist heute zwar neue Hardware mutmaßlich energieeffizienter als ältere Hardware, auf der anderen Seite führt die Produktion und Entsorgung von Hardware aber zu erheblichen Aufwänden an Energie und natürlichen Ressourcen (vgl. z. B. Hilty 2008, S. 125–126).

Die Verlängerung der Nutzungsdauer eines Gerätes ist insbesondere angesichts einiger systemischer Effekte, die hier beispielhaft angesprochen werden sollen, besonders relevant:

  • Der Abbau der für die Produktion der Hardware benötigten Rohstoffe kann zu ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Schieflagen führen (vgl. z. B. Behrendt et al. 2007).
  • Alte noch funktionierende aber auch defekte Hardware wird in Entwicklungs- und Schwellenländer exportiert, wo diese zum Teil wiederverwendet, aber auch unter höchst zweifelhaften Umständen in Hinterhöfen recycelt oder unkontrolliert auf Mülldeponieren abgelagert wird (Hilty 2008, S. 129–139).

Neben den Bereitstellungseffekten und systemischen Effekten der Softwarenutzung sind auch die Nutzungseffekte genauer zu betrachten. Auch wenn diese in den frühen Entwurfsphasen einer Software nur abgeschätzt werden können, sind sowohl die erwarteten positiven Effekte (z. B. Dematerialisierungseffekte, Substitutionseffekte) als auch die möglichen negativen Effekte (Induktionseffekte, Rebound-Effekte) zu berücksichtigen, um zu einer ganzheitlichen Wirkungsabschätzung zu gelangen.