Mittelbare Kriterien und Metriken

Die Nutzung einer Software kann Energie- und Ressourceneinsparungen in anderen Branchen oder Anwendungsdomänen erzielen. Obwohl es zuweilen schwierig ist, diese Nutzungseffekte und systemischen Effekte zu identifizieren und zu quantifizieren, kann es Effekte geben, die sehr wohl gemessen oder abgeschätzt werden können. Dies trifft insbesondere auf Software zu, die einen speziellen Zweck im Hinblick auf die Nachhaltige Entwicklung erfüllen soll, wie z. B. Software, die die Smart-Technologien (Smart grid, Smart heating, Smart building, Smart automtive, Smart logistics etc.) ermöglicht. Hier können die erwarteten Wirkungen während der Produktentwicklung durchaus mit gängigen Methoden der Lebenszyklusanalyse abgeschätzt werden. Verlässt man jedoch den Bereich der Umweltverträglichkeit und wendet sich der Sozialverträglichkeit zu, so wird eine quantifizierende Betrachtung wesentlich schwieriger und auch methodisch aufwendiger (vgl. Naumann et al. 2011, S. 299).

Der Aspekt der Wahrnehmung versucht den Wert einer Software für die Nachhaltige Entwicklung zu ermitteln. Sorgt eine Software z. B. dafür, dass das Bewusstsein für den Klimawandel um 15% ansteigt, so wird die Wahrnehmung mit 15% bewertet (vgl. Taina 2011, S. 26–27). Die genaue Quantifizierung dieser Aspekte ist zuweilen schwierig, da für die Bewertung ein Referenzsystem als Vergleichswert benötigt wird. Insbesondere bezüglich des Aspekts der Wahrnehmung bleibt zweifelhaft, wie man in einer Anwendungsdomäne zu entsprechenden Bewertungen kommen kann. Die Aspekte wurden aber trotz dieser Problematik als Inspirationsquelle aufgenommen.

Die Qualitätseigenschaft der Reflektivität wurde ursprünglich von Taina (2011, S. 25) als Qualitätsaspekt von Effizienz eingeführt. Sie gibt an, wie die Softwarenutzung indirekt die von anderen Personen oder Systemen benötigten Ressourcen beeinflusst. Da es sich hierbei jedoch nicht um Bereitstellungseffekte oder um Effekte der Effizienz im eigentlichen informationstechnischen Sinne handelt, sondern um Nutzungseffekte, wurde der Aspekt im GREENSOFT-Qualitätsmodell als eigene Qualitätseigenschaft im Bereich der unmittelbaren Kriterien und Metriken verankert. Es bleibt allerdings anzumerken, dass diese Abschätzung zuweilen nicht trivial ist und entsprechende Metriken weitergehende Forschungsarbeiten erfordern, da hier insbesondere auch Erhebungen des Nutzerverhaltens und entsprechender Anwendungsfälle notwendig sind.